Agenda
Sonntag, 3. Februar Mehr
Sonntag, 10. Februar Mehr
Sonntag, 17. Februar Mehr
Sonntag, 24. Februar Mehr
Samstag, 2.– 3. März Mehr
Download Programm PDF
Samstag, 2. März

Jean-Claude Zehnder

Von Scheidt bis Bach – thüringischsächsische Orgeltradition

SAMSTAG, 2. MÄRZ
Orgelführung
19-20 Uhr, Kirche St.Mangen

SONNTAG, 3. MÄRZ
Konzert:
17.00 Uhr, Kirche St.Mangen
Konzerteinführung:
Jean-Claude Zehnder
16.00–16.30 Uhr, Kirche St.Mangen



Thüringen und Sachsen, das «Zentrum Deutschlands», ist ein Kulturraum besonderer Prägung. Während der Norden mit der Seefahrt sich dem englischen und französischen Geist zuwandte, der Süden gerne nach Venedig schielte, war das Zentrum Deutschlands im 17. und frühen 18 Jahrhundert mehr auf sich selbst gestellt. Handwerkliches Können wurde gross geschrieben, Musik spielte selbst in den Dörfern eine grosse Rolle. Adjuvantenchöre sangen am Sonntag die Hammerschmidt-Motetten, man wollte die Evangelientexte in einfache, aber wohlklingende Akkorde kleiden. Martin Luthers Lehre hatte hier ihren Ursprung; seine Lieder waren ein Zentrum des geistlichen Lebens.

Auch der Orgelmusik ist ein schlichter, handwerklicher Aspekt eigen. Johann Pachelbel, von 1678 bis 1690 Organist an der Predigerkiche in Erfurt, ist dafür das schönste Beispiel. Mit seinen Worten «die ewige Himmels-Freud könne nicht füglicher als durch die Musik abgebildet werden» charakterisiert er die Zielsetzung seines Musizierens. «Hexachordum apollinis» nennt er seine 1699 veröffentlichte Sammlung von sechs Variationszyklen über vorangestellte Arie, deren Melodien dann jeweils mit fein ziselierten Figurationen umspielt werden.Urvater dieses Musikraums war Samuel Scheidt, der sein ganzes Leben in Halle tätig war. Schon mitten im 30-jährigen Krieg veröffentlichte er 1624 sein dreibändiges Werk, die «Tabulatura nova», ein Kompendium der Orgelmusik lutherischer Prägung. Spielfreude und Nüchternheit paaren sich bei ihm auf einmalige Weise.

Auch wenn J. S. Bach sich später mit Musik von Palestrina bis Couperin beschäftigte, bleibt er seiner Heimat Thüringen immer sehr verbunden. Seine Familie verkörperte im 17. Jahrhundert einen wichtigen Teil dieser mitteldeutschen Kantoren- und Organistenmusik: Johann Christoph Bach in Eisenach, dessen Bruder Johann Michael im kleinen Flecken Gehren. Sein Sohn Wilhelm Friedemann wird Nachfolger von Scheidt in Halle. Und noch zurzeit von Haydn und Beethoven ist im Zentrum Erfurt mit Johann Christian Kittel und seinen Schülern eine Orgeltradition lebendig, die sich zur Bach-Schule bekennt.

Jean-Claude Zehnder, in Winterthur aufgewachsen, in Wien und Amsterdam ausgebildet, gehört zur «Grossvater-Generation» der Orgelspieler. In der Orgelklasse an der Schola Cantorum (und anderswo) haben viele Schülerinnen und Schüler seine Meinungen zu hören bekommen. Es ist in den letzten Jahren verstärkt ins Zentrum gerückt, Johann Sebastians Kosmos verstärkt zu erkunden: Ausgaben im Verlag Breitkopf und ein Buch über Bachs frühe Werke sind Ausdruck dessen.

Zehnder veröffentlichte zahlreiche Tonaufnahmen, darunter Bachs Orgelbüchlein und die Achtzehn Leipziger Choräle an der Hildebrandt-Orgel in Naumburg sowie weitere Werke J. S. Bachs an der Arp-Schnitger-Orgel in St. Jacobi (Hamburg) und an der Ahrend-Orgel in San Simpliciano (Mailand).