Agenda
Sonntag, 2. Februar Mehr
Sonntag, 9. Februar Mehr
Samstag, 15. Februar Mehr
Sonntag, 16. Februar Mehr
Samstag, 22. Februar Mehr
Sonntag, 23. Februar Mehr
Samstag, 29. Februar Mehr
Sonntag, 1. März Mehr
Download Programm PDF
Sonntag, 9. Februar

Feuersinger, Wey,
Johannsen, Abadie
Collegium Instrumentale der Kathedrale St.Gallen
Michael Wersin

Gloria in excelsis Deo – J. S. Bachs
Messen g-Moll und G-Dur

Konzert: 9.2., 17:00, St.Mangen
Einführung: 9.2., 16:15, Michael Wersin, St.Mangen



Lateinische Messen im evangelischen Gottesdienst, komponiert vom Lutheraner Johann Sebastian Bach? Das war im 18. Jahrhundert in Leipzig kein Widerspruch: die dort gepflegte Gottesdienst-Form ähnelte in ihrer ersten Hälfte noch dem katholischen Messformular. Dementsprechend vertonte Bach in seinen lateinischen Messen nur «Kyrie» und «Gloria». Neben den vier Kurzmessen BWV 233–236, von denen zwei in diesem Konzert erklingen, gehören auch die beiden ersten Teile der späteren Messe h-Moll zu diesem Typus.

Allerdings hat Bach trotz gelegentlicher Ausflüge ins lateinische Repertoire seine hauptsächliche Inspiration aus dem Vertonen deutscher liturgischer Texte bezogen: Seine Kurzmessen bestehen fast ausschliesslich aus nachträglichen Bearbeitungen von deutschsprachigen Kantatensätzen, fachsprachlich gesagt handelt es sich also um «Parodien».

Deshalb wurden diese Messen lange Zeit gering geschätzt. Erst das tiefere Verständnis des Parodie-Verfahrens bei Bach hat sie schliesslich aus ihrer Nischenposition befreit. Die nähere Betrachtung offenbart nämlich, dass Bach für seiner Messsätze nicht nur einige seine grossartigsten, sondern substantiell – vor allem hinsichtlich der Bezüge zwischen altem und neuem Text – auch die am trefflichsten passenden Chöre und Arien gewählt hat. Gerade das Parodie-Verfahren gewährt daher direkten Einblick in Bachs stets faszinierendes musikalisch-theologisches Wirken.

In unserer Aufführung der beiden Messen ist eine sehr kleine, nämlich in allen Partien einfache Besetzung zu hören. Sie eröffnet den hochkarätigen Musikerinnen und Musikern nicht nur in den Arien, sondern auch in den Chören individuelle Gestaltungsmöglichkeiten mit Blick auf eine dezidiert textaffine Interpretation.