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Marais-Consort

Incipit lamentatio Jeremiae prophetae – François Couperins «Leçons de ténèbres»

Gesprächskonzert: 29.2. (Samstag),
19:00, St.Mangen



Barockmusik ist nicht gleich Barockmusik, betrachtet man diese Stilistik aus der erweiterten Perspektive ihrer europaweiten Verbreitung: Die französische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts etwa gilt im Vergleich zur Musik anderer Nationen als dem Höfischen, dem Zeremoniellen, dem Formalen besonders stark verbunden.

In der Auseinandersetzung der Komponisten mit Tod und Endlichkeit jedoch ereignet sich immer wieder die Transzendierung und Verfremdung solcher stilistischen Charakteristika. Die daraus resultierende Spannung zwischen Formalem und Subjektivem ist ein zentrales Element des französischen Lamento: Das Manieristische im Gewande der strengen Form – Leben, Tod und Erlösungssehnsucht.

François Couperin komponierte seine «Leçons de tenebres» für ein Nonnenkloster. Musikausübung spielte in den italienischen Frauenklöstern schon seit der Renaissance eine wichtige Rolle. Junge Frauen der Oberschicht widmeten sich im Kloster dem Komponieren, dem Instrumentalspiel und dem Gesang und brachten es auf diesen Gebieten bisweilen zu hoher Virtuosität. Ihr weitreichender Ruhm bedingte im Bereich der Künste eine partielle Öffnung der klösterlichen Liturgie für ein städtisches Publikum.Im Rahmen dieser Tradition entstanden auch die Auftragswerke Couperins, und auch sie stellen höchste Ansprüche an die ausführenden Sängerinnen.

Von den ursprünglich neun «Leçons» wurden drei 1714/15 gedruckt, der Rest muss als verloren gelten. Die erhaltenen Leçons sind für die Trauermetten in der Nacht des Mittwoch der Karwoche gedacht. Wie in der musikalischen Gattung der lateinischen Lamentationen üblich werden sie durch die vorangestellten hebräischen Anfangsbuchstaben der ursprünglichen Fassung der Texte in Abschnitte gegliedert. Für die Vertonung wählt Couperin eher strenge Formen: Ein immer wieder auftauchender schreitender Bass etwa hält das Geschehen symbolisch zusammen. Die Rezitative sind nicht ganz frei von Metrik, die Verzierungen hat Couperin äusserst sorgsam vorgeschrieben.

Gerade die spezifische Ausprägung der Ornamente, dazu die expressive Harmonik und die spezielle Sprachbehandlung – wir haben uns für die im 18. Jahrhundert in Frankreich verwendete Aussprache des Lateinischen entschieden – machen diese Musik tief beeindruckend und persönlich; es sind wohl Couperins beste Kompositionen. Ihre Aufführung ist aufgrund der artifiziellen Stilistik dem hochqualifizierten Spezialisten vorbehalten. Dadurch bleibt Couperins Musik aus sich selbst heraus in ihrer Ursprünglichkeit erhalten und wirksam.