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Schlussbericht 2021 PDF
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Sonntag, 13. Februar


Catalina Bertucci
SopranBenno Schachtner
AltusDaniel Johannsen
TenorLisandro Abadie
BassConsortium Instrumentale
Veronika Skuplik & Marina Kakuno, Violinen; Caroline Ritchie, Rüdiger Kurz & Jane Achtman, Gamben; Simon Linné, Theorbe; Michael Wersin, Orgel & Leitung


«...so werden wir sein wie die Träumenden» – Wunderwelt der geistlichen Kantate im Frühbarock


16.00 Uhr
Einführung mit Michael Wersin
17.00 Uhr
Konzert

Ort St.Mangen
Eintritt frei – Kollekte



 


Die frühbarocke geistliche Kantate kann als expressiv hochwirksame «Verklanglichung» der gelebten protestantischen Frömmigkeit jener Zeit verstanden werden: Textlich basieren die Werke von Franz Tunder (1614–1667), Matthias Weck- mann (1619–1674), Johann Christoph Bach (1642–1703) oder Dietrich Buxtehude (ca. 1637–1707) einerseits auf dem einzigartigen Bibeldeutsch Martin Luthers, andererseits oft auf Einzelstrophen deutschsprachiger Kirchenlieder, welche sprachlich und theologisch wiederum stark von Luthers Bibelübersetzung inspiriert sind. Für die poetische Schönheit von Luthers Bibelsprache, durch die sie für Generationen von Komponisten zur Inspirationsquelle für einzigartige Musik wer- den konnte, steht auch der Titel des Programms, der auf den Anfang von Psalm 126 verweist: «Wenn der Herr die Gefan- genen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden».


Hinsichtlich ihrer musikalischen Gestalt bewegen sich die Kantaten der genannten Meister flexibel zwischen der konzertanten und der ariosen Schreibweise, die erst einige Zeit später – u. a. bei Johann Sebastian Bach – in eine klare Trennung von Arie und konzertantem Chorsatz münden sollte. Im 17. Jahrhundert entfaltet sich die vokale Ebene der höchst textaffinen Musik dagegen noch in einem kleingliedrigen Wechsel von virtuosen, imitatorischen Ensemblepassagen und solistischen Abschnitten. Tempo und Affekt können dabei häufig wechseln. Zu den solistisch besetzten Vokalstimmen treten in den Werken dieses Programms Instrumente der Streicherfamilie, seinerzeit Violinen und Gamben.


Indem die Instrumente intensiv mit dem Gesang kommunizieren und sich derselben musikalischen Motivik wie die Gesangsstimmen bedienen, partizipieren alle gemeinsam auf «beredte» Weise an der Verkündigung des Bibelwortes. Im konzertanten Dialog von Gesang und Instrumentalspiel bündelt die frühbarocke geistliche Musik so ihre Expressivität mit Blick- und Zielrichtung auf den Schöpfer aller Dinge. Die Komponisten jener Zeit verfügten über ein faszinierend breites Spektrum fesselnder Ausdrucksmittel – eine Wunderwelt des gegenseitigen Sich-Verdichtens von Sprache und Musik tut sich vor den Ohren der Hörerschaft auf.